Jakob und Esau

Jakob und Esau

1. Mose 24, 25, 27

Nach einiger Zeit wurde Isaak erwachsen und heiratete Rebekka. Sie hatten zwei Söhne: Esau und Jakob. Sie waren Zwillinge, aber beide sehr unterschiedlich. Esau, der ältere Sohn, war selbstständig, stark und liebte die Freiheit. Er liebte es, bewaffnet mit Pfeil und Bogen in den Wäldern und Feldern zu jagen. Er war tage- oder wochenlang unterwegs. Und bei seiner Rückkehr brachte er meistens Wild mit, welches er selbst erlegt hatte. Esau war Isaaks Lieblingssohn.Rebekka aber liebte Jakob. Er war kein Abenteurer wie sein Bruder. Meistens war Jakob zu Hause bei den Zelten. Er hütete die Herden seines Vaters und half der Familie mit den täglichen Aufgaben. Esau war der Erstgeborene. Obwohl er nur wenige Augenblicke vor Jakob geboren wurde, hatte er das Erstgeburtsrecht erhalten, also das Recht auf das Erbe. Es war damals Brauch, dass der Vater auf dem Sterbebett einem Sohn einen besonderen Segen gab. Dieser Segen versprach Wohlergehen, Macht und Familienwohlstand, Diener, Vieh und viele andere Besitztümer. Er versprach auch Gottes Gnade. Gemäß dieser Tradition gehörte dieser besondere Segen dem ältesten Sohn, Esau.Das ärgerte Jakob. Er wollte unbedingt der erstgeborene Erbe sein. Nicht nur, weil er dann den doppelten Anteil des Vermögens seines Vaters erben würde, sondern auch, weil es ihm wichtig war, mit dem Segen seines Vaters Gottes Wohlgefallen zu erhalten. Esau hingegen dachte nicht viel darüber nach, was für Vorteile das Erstgeburtsrecht brachte. Er interessierte sich nur für die Jagd.Eines Tages, als Esau wie gewöhnlich auf der Jagd war, half Jakob seiner Mutter bei der Hausarbeit. Über dem offenen Feuer bereitete Jakob einen leckeren Linseneintopf zu, den man schon von weitem riechen konnte. Da kam Esau erschöpft von der Jagd zurück. Er war lange Zeit über die Felder gezogen, hatte dabei vergeblich nach Wild gesucht und war jetzt daher sehr hungrig. Zusätzlich war er wütend, dass er kein Wild für seinen Vater gefangen hatte. Nachdem er seine Jagdausrüstung zu Boden geworfen hatte, stöhnte er: „Gib mir etwas zu essen.“ Ohne zu zögern, sagte Jakob: „Kann ich dein Erstgeburtsrecht für dieses Essen haben?“ „Was nützt mir das Erstgeburtsrecht, wenn ich verhungere?“, murrte Esau.Also tauschte Esau sein Erstgeburtsrecht gegen eine Schüssel Linseneintopf ein. Und Jakob war voller Freude. Der erste Schritt war getan. Jetzt musste er es nur noch hinbekommen, dass sein Vater ihn und nicht Esau segnete. Jahre vergingen. Isaak wurde blind und kam nicht mehr alleine aus seinem Bett. Eines Tages rief er nach Esau. „Ich liege im Sterben, mein Sohn“, sagte er. „Und deswegen möchte ich dich, meinen ältesten Sohn, segnen. Nimm Pfeil und Bogen und jage ein Stück Wild für mich. Mache ein leckeres Essen daraus, bring es mir und ich werde dich segnen.“Esau nahm seinen Pfeil und Bogen und ging, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Doch Rebekka, seine Mutter, hatte durch die dünne Zeltwand gehört, was Isaak gesagt hatte. Sie hatte Angst: „Mein Mann wird seinen Segen Esau geben!“ Aber Gott hatte ihr einmal gesagt, dass Jakob derjenige sein würde, der gesegnet wird! Und Jakob war ihr Lieblingskind. Also wusste sie, was sie tun musste! Rebekka lief zu Jakob und erzählte ihm, was sie gehört hatte. Dann sagte sie sanft: „Töte zwei Ziegenböckchen und bring sie zu mir. Ich werde sie zubereiten, wie Esau es immer tut. Und du wirst die Mahlzeit deinem Vater bringen und so tun, als seist du Esau. Und dein Vater wird dir seinen Segen geben.“ Als alles fertig war, war der halbe Tag vergangen.Rebekka nahm einige Kleider von Esau und gab sie Jakob. Er zog sie an. Dann wickelte Rebekka die Felle der beiden Ziegenböckchen um Jakobs Hände und Hals, damit Isaak Jakob nicht an seiner glatten Haut erkennen konnte, denn Esaus Hände waren mit dichtem Haar bewachsen. Jakob nahm das Essen und ging in das Zelt seines Vaters. „Hier bin ich, Vater.“ Isaak hob seinen Kopf ein wenig und fragte: „Wer ist da?“ Jakob schluckte schwer und log: „Ich bin‘s, Esau, dein erstgeborener Sohn. Ich habe getan, worum du mich gebeten hast. Nimm und iss von meinem Braten, damit du mir deinen Segen geben kannst.“Diese Worte beunruhigten Isaak, denn dieser Esau hörte sich andersan als sonst. „Komm näher, mein Sohn, ich will dich betasten“, sagte er. Schweißperlen standen auf Jakobs Stirn. Er hatte Angst. Was, wenn sein Vater den Betrug durchschaute? Isaak betastete seinen Sohn mit den Händen, aber er kam nur an die Stellen dran, die mit Ziegenfell bedeckt waren. „Das ist komisch“, sagte Isaak. „Deine Stimme hört sich nach der Stimme von Jakob an, aber deine Hände sind wie die von Esau. Sei ehrlich, bist du Esau?“„Ja“, log Jakob, „ich bin Esau!“Als Isaak sein Mahl beendet hatte, sagte er: „Komm zu mir, meinSohn, und gib mir einen Kuss.“ Jakob tat wie gebeten. Isaak roch an seiner Kleidung und das beseitigte die letzten Zweifel, die er noch hatte. „Mein Sohn, du riechst wie die grünen Felder, die Gott uns versprochen hat. Komm, knie dich hin.“ Als Jakob am Bett seines Vaters auf die Knie ging, legte ihm sein Vater die Hände auf den Kopf. Dann sprach er feierlich: „Möge Gott dir die Früchte der Erde und Vieh im Überfluss geben. Mögen Völker dir dienen und dein Bruder sich vor dir verneigen. Mögen die, die dich verfluchen, verflucht sein und die, die dich segnen, gesegnet sein.“Als Jakob das Zelt verließ, kehrte Esau von seiner Jagd zurück. „Hier bin ich, Vater“, sagte er. „Ich habe eine Mahlzeit für dich vorbereitet. Du kannst mir deinen Segen geben.“ „Was? Wer war denn dann vor dir hier?“, fragte Isaak erschrocken. „Wem habe ich meinen Segen gegeben?“In diesem Moment kam die Wahrheit ans Licht. „Jakob hat mich zum zweiten Mal getäuscht!“, schrie Esau. „Das erste Mal hat er mich um mein Erstgeburtsrecht betrogen und jetzt auch noch um meinen Segen! Mir kannst du deinen Segen doch auch noch geben, oder?“„Das kann ich nicht, mein Sohn“, antwortete Isaak bedauernd. „Nur einmal kann ich den Segen des Erstgeborenen geben, den Gott versprochen hat. Ich werde dich auch segnen, aber zwischen euch beiden wirst du nicht mehr der Erste sein.“

Fragen zum Gespräch

4 Fragen
  1. Wie hießen Isaaks Söhne? Was haben sie getan?

  2. Was hatte Isaak vor, als er Esau wegschickte, um ihm eine Mahlzeit vorzubereiten?

  3. Wie war Rebekka daran beteiligt, Isaak zu hintergehen?

  4. Sollten wir unsere Freunde und Verwandten so behandeln, wie Jakob seinen Bruder und seinen Vater behandelte? Warum oder warum nicht?

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